„Bunt wie wir!“ – Inklusionsnetzwerk setzt am Protesttag ein sichtbares Zeichen für Vielfalt

Präsentation der Ergebnisse des Barriere-Checks mit Bürgermeister Florian Fritzsch (3. v. l.), Stefan Hartung, Vorsitzender des Inklusionsnetzwerks (6. v. l.), Bad Salzschlirfs Bürgermeister Peter Klug (8. v. l.), Laura Albrecht von der „antonius : gemeinsam leben gGmbH“ (3. v. r.) und Ortsvorsteherin Lena Vogel (2. v. r.)

Anlässlich des bundesweiten Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hat das „Inklusionsnetzwerk – Leben & Arbeiten in Großenlüder e. V.“ am Samstag, dem 9. Mai 2026, gemeinsam mit dem Verein „Miteinander-Füreinander Großenlüder e. V.“ und der „Bürgerstiftung antonius : gemeinsam Mensch“ zu einem Aktionsnachmittag in den Amtshausgarten eingeladen. Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Aktion Mensch.

Von 14 Uhr bis 17 Uhr verwandelte sich der Garten des Stiftskapitularischen Amtshauses am Marktplatz unter dem Motto „Bunt wie wir!“ in einen lebendigen Ort der Begegnung. Auf dem Programm standen ein Barriere-Check durch den Kernort, Mitmachaktionen für jedes Alter sowie die gemeinschaftliche Gestaltung einer Fahne. Für das leibliche Wohl sorgten kühle Getränke und ein reichhaltiges Kuchenbuffet.

Organisation und Kuchen-Verkauf durch den Verein „Miteinander-Füreinander Großenlüder e. V.“

Bei bestem Frühlingswetter eröffnete Stefan Hartung, der 1. Vorsitzende des Inklusionsnetzwerks, die Veranstaltung. Es folgten Grußworte von Bürgermeister Florian Fritzsch sowie von Laura Albrecht von antonius.

Bürgermeister Fritzsch hob in seiner Ansprache die gesellschaftliche Bedeutung von Inklusion hervor: Inklusion bedeute, dass alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion oder einer Behinderung – selbstverständlich und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Sie sei ein Menschenrecht, das Vielfalt als Normalität begreife und Systeme so gestalte, dass niemand ausgeschlossen werde. Auf dem Weg dorthin gelte es, Barrieren abzubauen – sowohl im öffentlichen Raum als auch in den Köpfen. „Inklusion ist kein Projekt, das man abschließt, sondern eine Haltung, die wir Tag für Tag in unserer Gemeinde leben müssen. Für den schrittweisen Abbau baulicher Barrieren stellen wir jährlich 30.000 Euro im Haushalt bereit – die Erkenntnisse aus dem heutigen Barriere-Check werden uns dabei helfen, die richtigen Schwerpunkte zu setzen.“

Mit dem Wechsel in den Rollstuhl nahmen die Teilnehmenden bewusst einen anderen Blickwinkel ein, um die Herausforderungen des Alltags für Rollstuhlfahrende, aber auch für Menschen mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen zu erfahren. In Kleingruppen wurden vier Routen durch den Kernort der Gemeinde erkundet. Auf Ortsplänen wurden die festgestellten Barrieren markiert und fotografisch dokumentiert.

Ob zu hohe Bordsteine in Einmündungsbereichen, zu schmale oder durch Mülltonnen und parkende Fahrzeuge versperrte Gehwege – die Erkundung machte deutlich: Ohne Hilfe und Unterstützung führen für Rollstuhlfahrende manche Wege buchstäblich in eine Sackgasse. Die Ergebnisse der Kleingruppen wurden im Anschluss auf einer großen Tafel mit bunten Fähnchen sichtbar zusammengetragen.

Vier Routen (rot, grün, gelb und lila) führten durch den Kernort. Mit roten Fähnchen sind festgestellte 
Hürden im öffentlichen Raum dokumentiert worden.

Parallel zum Barriere-Check luden zahlreiche Mitmachaktionen Groß und Klein zum Mitwirken ein. Unterstützt wurde das Inklusionsnetzwerk dabei von den Inklusionsvereinen aus Bad Salzschlirf, Eichenzell und Neuhof, die ihre Vereinsarbeit vorstellten. Besonders das Basteln der „Viel-Falter“ – farbenfroher Schmetterlinge als Symbol für Vielfalt – stieß auf reges Interesse.

Ein weiteres Highlight war die Gestaltung einer gemeinsamen Fahne mit bunten Handabdrücken. Sie soll künftig im Ortsgeschehen ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Inklusion in Großenlüder sein. Laura Albrecht von antonius erläutert die Intention der Veranstaltung: „Wir möchten Inklusion nicht nur erklären, sondern erlebbar machen. Die Aktionen heute haben gezeigt, wie viel Freude im gemeinsamen Tun liegt – und wie viele Menschen bereit sind, sich auf neue Perspektiven einzulassen.“

Bei blauem Himmel und Sonnenschein klang der Nachmittag bei angeregten Gesprächen vor dem Amtshaus aus. Der Vorsitzende des Inklusionsnetzwerks zeigte sich mit der Resonanz sehr zufrieden. „Wir werden die Ergebnisse des Barriere-Checks nun sorgfältig auswerten und der Gemeinde konkrete Lösungsvorschläge unterbreiten. Im zweiten Jahr nach unserer Gründung war es uns besonders wichtig, sichtbarer zu werden und unsere Anliegen mit greifbaren Aktionen erlebbar zu machen. Dass dies so gut gelungen ist, verdanken wir auch der großartigen Zusammenarbeit mit ‚Miteinander-Füreinander‘, antonius und den befreundeten Inklusionsvereinen aus Bad Salzschlirf, Eichenzell und Neuhof.“

Stefan Hartung, Vorsitzender des Vereins „Inklusionsnetzwerk – Leben & Arbeiten in Großenlüder“

Die Veranstaltung darf als voller Erfolg gewertet werden: Sie hat das Inklusionsnetzwerk in der Gemeinde sichtbarer gemacht, zum Perspektivwechsel angeregt und konkrete Anhaltspunkte für die weitere Arbeit an einem barriereärmeren Großenlüder geliefert. Die enge Zusammenarbeit mit dem Verein „Miteinander-Füreinander Großenlüder e. V.“ unterstreicht zudem die gelebte gegenseitige Unterstützung im Ort.