Jugendbeteiligung in Großenlüder: Der Weg nach vorne hat begonnen

Am Donnerstag, dem 9. April 2026, fand im Amtshaus der Gemeinde Großenlüder der erste Workshop der Projekt- und Steuerungsgruppe zum Thema „Struktureller Aufbau von Jugendbeteiligung in der Gemeinde Großenlüder“ statt. Fünf Stunden lang arbeiteten Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindeverwaltung, der Kommunalpolitik, der Bürgerstiftung Großenlüder sowie der Jugendbetreuer des Regionalforums Fulda-Südwest gemeinsam und konstruktiv an einem Fundament für die künftige Beteiligung junger Menschen am Gemeinschaftsleben. Geleitet wurde der Workshop von Swantje Schindehütte, zertifizierte Prozessmoderatorin für Kinder- und Jugendbeteiligung und systemische Beraterin.

Aktives Mitwirken bei der Ist-Stand-Analyse: Moderatorin Swantje Schindehütte (links) mit Kathrina Hosenfeld, 1. Beigeordnete der Gemeinde (von hinten).

Bürgermeister Florian Fritzsch eröffnete den Workshop und brachte die Haltung der Gemeinde auf den Punkt: „Die Gemeinde Großenlüder sieht es als zentrales Anliegen und zugleich als Verpflichtung, Jugendliche stärker in kommunale Entscheidungsprozesse einzubinden. Jugendbeteiligung ist kein Projekt – sondern Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde.“ Er erinnerte an den früheren Jugendbeirat, der von 2002 bis 2019 aktiv war, und machte deutlich: Dieses Vakuum soll nun strukturell und dauerhaft geschlossen werden. Auch mit Blick auf die novellierte Hessische Gemeindeordnung, die Kommunen zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ausdrücklich verpflichtet, besteht Handlungsbedarf.

Die Teilnahme am Bundesprogramm „Jugend entscheidet“ der Hertie-Stiftung bildet den programmatischen Rahmen. Mit dem Workshop vom 9. April 2026 wurde nun der nächste konkrete Schritt gegangen.

Der Workshop: Arbeiten, analysieren, planen

Nach der offiziellen Eröffnung durch den Bürgermeister und einer Vorstellungsrunde widmeten sich die Teilnehmenden zunächst einer Selbstreflexion und einem Perspektivwechsel in Kleingruppen – eine methodisch wichtige Grundlage, um die eigene Haltung gegenüber Jugendbeteiligung zu reflektieren und sich in die Lebenswelt junger Menschen hineinzuversetzen.

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Ist-Stand-Analyse zur Situation Jugendlicher in Großenlüder. Die Gruppe untersuchte gemeinsam, wie es um die Lebenssituation und die Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen in der Gemeinde aktuell bestellt ist – eine ehrliche Bestandsaufnahme als Grundlage für alle weiteren Schritte.

Daran schloss sich die Erstellung einer Ressourcen-Matrix an. Das Ergebnis war klar: Für die Jugendbeteiligung stehen gegenwärtig nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung; auch in der Gemeindeverwaltung ist das Zeitbudget für dieses Thema noch nicht ausreichend vorhanden. Diese Erkenntnis war kein Dämpfer, sondern eine wichtige Weichenstellung – denn sie ermöglichte einen realistischen Blick auf das, was unmittelbar stemmbar und umsetzbar ist.

Das Team der Gemeindeverwaltung beim Auftakt-Workshop (v. l. n. r.): Jürgen Möller, Peter Schlitzer, Darline Sopp und Kristin Mehl.

Das Ergebnis: Ein Format für Großenlüder

In der abschließenden Phase arbeiteten Kleingruppen unabhängig voneinander an der Formatentwicklung – und kamen dabei ohne Absprache zu einer bemerkenswert einheitlichen Erkenntnis: Der erste Schritt muss der direkte, ungezwungene Kontakt mit Jugendlichen sein – themenoffen, niedrigschwellig und auf Augenhöhe.

Als Orientierung dient das bundesweit bekannte Format „Politik und Pizza“, das nun zu einem eigenen Format für Großenlüder weiterentwickelt werden soll. Die Idee: In den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde kommen Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde mit jungen Menschen ab 14 Jahren zusammen – in einem ungezwungenen Miteinander, bei dem jugendspezifische Hinweise, Wünsche und Anregungen für die Entwicklung der Gemeinde Raum haben. Ziel ist nicht nur ein einmaliger Austausch, sondern die Verstetigung des Dialogs und ein gegenseitiges Verständnis zwischen Jugendlichen und Gemeinde.

Ergänzt werden sollen diese themenoffenen Gesprächsformate künftig durch themenspezifische Veranstaltungen, die in den Ortsteils-Gesprächen genannte Themen aufgreifen und inhaltlich vertiefen. Nach Abschluss aller Ortsteils-Gespräche wird eine gemeinsame Auswertung und Priorisierung der gesammelten Anliegen stattfinden.

Ausblick: Die nächsten Schritte

Der Auftakt-Workshop hat die Weichen gestellt – nun folgt die Umsetzung. Die Projekt- und Steuerungsgruppe wird die erarbeiteten Grundlagen weiter ausbauen. Konkret ist geplant:

-    Vor der Sommerpause soll der Fahrplan für die Jugendbeteiligung öffentlich bekannt gegeben und an die Jugendlichen in Großenlüder kommuniziert werden.

-    Die Projekt- und Steuerungsgruppe qualifiziert sich gemeinsam mit Frau Schindehütte weiter – in kürzeren Workshop-Sessions zu den Themen „Gelingensbedingungen für kommunale Jugendbeteiligung“ und „Öffentlichkeitsarbeit in der Jugendbeteiligung“.

-    Die ersten Ortsteils-Gespräche mit Jugendlichen im neuen Format sind für die Zeit nach der Sommerpause vorgesehen.

Wer Jugendliche heute beteiligt, gestaltet das Gemeinwesen von morgen – als Ausdruck gelebter Demokratie und als Investition in eine gemeinsame Zukunft.